Chronik
Gab es vor 1862 in Rottenbuch kein Musikleben? Möchte man meinen, aber weit gefehlt. Bis zur Klosteraufhebung (Säkularisation) 1803 war Rottenbuch eine bedeutende Stätte der Musik. Der Lehrer Rochus Dedler, ein ehemaliger Klosterschüler und Komponist der Musik für die Oberammergauer Passionsspiele, schrieb damals: "Und mochten die Klöster verschwunden sein, das Erbe ihrer Musikkultur lag wie ein letztes Leuchten über dem Voralpenland, nicht klassisch groß, nicht himmelstürmend, aber verklärt von einem bäuerlichen Rokoko - Schimmer".
Als 1862 die Musikkapelle Rottenbuch gegründet wurde, regierte in Bayern König Max II., ein Sohn von König Ludwig I. Die Gründung der Kapelle ist in einem vorhandenen Gründungsprotokoll wie folgt beschrieben:
1. Juni 1862: Xaver Berger (der Urgroßvater von unserem Ehrendirigenten Karl Echtler) vom Solder, einem Ortsteil von Rottenbuch, war damals 29 Jahre alt. Er schreibt: „Als ich im Jahre 1861, nach 6-jähriger Militärzeit nach Rottenbuch heimkehrte, fand ich die Musik und den Chorgesang auf sehr niedriger Stufe. Die meisten Musiker und Sänger waren schon im vorgerückten Alter und ohne Dirigent. Nachdem ich jüngere Kräfte gewinnen konnte und mir mein alter Freund Michael Erhardt von Bayersoien mit Noten schreiben behilflich war, konnten wir uns schon bald hören lassen. Von Musikfreunden erhielten wir Beifall, von Gegnern aber das Prädikat Bettelmusik. „Trotz allem fassten wir im Juni 1862 den Entschluss, einen Musikverein zu gründen, mit dem Zwecke: Bildung und Hebung der Instrumentalmusik und des Chorgesanges auf kirchlichem und profanem Gebiet." Die Zahl der Gründungsmitglieder war 17 Mann und Xaver Berger wurde Vorstand und Dirigent.
Der kleine Verein entwickelte in der folgenden Zeit eine rege Tätigkeit. Überall wurde er begehrt, in der näheren und weiteren Umgebung. So in den Amtsbezirken Buchloe, Füssen, Garmisch, Landsberg, Tölz, Weilheim und Schongau. Bei den damaligen Verkehrsverhältnissen mussten die Musiker entweder mit dem Fuhrwerk oder zu Fuß reisen. Deshalb waren die Musiker öfter 3 Tage unterwegs.
Nach Aufzeichnungen von Xaver Berger verdiente damals ein Musiker bei einer guten Hochzeit 20 - 25 Mark. Das war sehr viel Geld, trotzdem ist kein Musiker reich geworden.
Im Jahre 1865 wäre beinahe ein großes Unglück passiert. Hierzu Xaver Berger anlässlich seiner Festrede zum 50. Gründungsjubiläum im November 1912:
Nicht vergessen kann ich einen Unglücksfall, den wir am 17. April 1865 (Osterdienstag) bei einem Ausflug mit Musik nach Apfeldorf erlitten hatten. Wir wollten den Saltauerweg über Kinsau nach Schongau machen, mussten daher per Schiff uns über den Lech fahren lassen. Durch die Unkundigkeit des Führers (Wirtsmetzger von Apfeldorf) kippte das Fahrzeug und drei Musiker mit dem Hausknecht und dem Führer schwammen im hochgehenden Lechfluss. Durch Beihilfe der am Ufer noch wartenden Musiker, sowie Passanten von Apfeldorf war noch Rettung unter Gottes Hilfe möglich, wodurch die Schwimmenden samt den Instrumenten und Notenbüchern gerettet wurden.“ Die drei schwimmenden Musiker waren Xaver Berger, Michael Erhard und Fridolin Angerer.
Am 15. Juni 1902 feierte die Musikkapelle das 40-jährige Gründungsfest. Der Saal des Hornerischen Gasthauses (zum Koch) war viel zu klein für die vielen Besucher. Ansprachen hielten Bürgermeister Utschneider sowie Pfarrer Graßl von Rottenbuch. Als Ehrengäste waren anwesend: Dekan Baderhuber aus Wildsteig, Pfarrer Bauer aus Bayersoien und Expositus Winter aus Schönberg, sowie die gesamte Lehrerschaft dieser Orte.
Dirigent Xaver Berger, damals 69 Jahre alt, hatte ein Programm zusammengestellt, das die Zuhörer begeistert aufnahmen. Märsche, Walzer und Ouvertüren sowie Solis wurden gespielt. Die Musiker wechselten sogar die Instrumente und seine Blasmusik wurde zur Streichmusik.
10 Jahre später am 21.11.1912 feierte die Musikkapelle im selben Gasthaus das 50-jährige Gründungsfest. Musikmeister Xaver Berger, nun 79 Jahre, eröffnete das Konzert mit der Lustspielouvertüre von Kela-Bela und dem König Ludwig Marsch von Seifert. Nach dem 1. Teil des Programms hielt das Vereinsmitglied Heinrich Demmel (Großvater des jetzigen Heinrich Demmel geb. 1924) eine berühmte Ansprache. Ein kurzer Ausschnitt zeigt die blumenreiche Sprache der damaligen Zeit:
Wenn einer seinen Geburtstag feiert, so wird er von allen Freunden und Bekannten beglückwünscht und unwillkürlich denkt der Gefeierte zurück an die Vergangenheit und mit einem Blick vorwärts in die Zukunft. Unser Geburtstagskind ist zwar kein lebendes Kindlein in der engen Wiege, kein Jüngling, dem die süße Hoffnung sein Herz höher schlagen läßt, ein Mann ist es, mit strotzender Kraft und regem Arbeitseifer, ein Mann, der 50 Jahre von sich sagen konnte: Ich bin fest gestanden trotz aller Mißtöne und Disharmonien, ich habe mich erhalten, 50 Jahre lang und heute noch stehe ich und heute scheint es, daß ich mich noch recht lange des Daseins erfreuen darf."
Bürgermeister von Rottenbuch war ab 1905 - 1919 der damalige Pfistermüller Martin Niklas.
Im Jahre 1913 starb der Musikmeister Xaver Berger im Alter von 80 Jahren. 51 Jahre war er Dirigent, eine Leistung, die nicht so leicht wiederholbar sein wird. Sein Sohn, Karl Berger, damals 49 Jahre alt, übernahm nun die Leitung der Musikkapelle. Karl Berger ist der Großvater von Karl Echtler.
1914 - 1918 dauert der schreckliche erste Weltkrieg. Hauptaufgabe der in der Heimat verbliebenen Musiker waren die Gefallenenehrungen der vielen Gefallenen von Rottenbuch. Trauermärsche und das Lied vom guten Kameraden schallte immer wieder durch den Klosterhof.
Nach Beendigung des 1. Weltkrieges wurde der Musikmeister Karl Berger dann von den Rottenbuchern zum 1. Bürgermeister gewählt. Dieses Amt bekleidete er 18 Jahre lang bis 1937. Neben dem Bürgermeisteramt war er noch Musikmeister bis zum Jahre 1926. Pfarrer Kraus war zu dieser Zeit für das Seelenheil der Rottenbucher Bürgerinnen und Bürger zuständig. Rottenbuch hatte damals etwa 800 Einwohner.
Ab dem Jahre 1926 begann musikalisch eine große Wende. Der Lehrer Witt gründete eine Kapelle, die bald 35 Musiker stark war. Eine Seltenheit auf einem Dorf, denn bisher war die Musikkapelle etwa 9 - 12 Mann stark. Lehrer Witt schrieb die Noten so, daß die guten Musiker (etwa 10 - 12 ) alles Schwierige zu spielen hatten und den anderen Musikern setzte er sogenannte Pfundnoten ein. Erste Spielerei war am 1. Mai 1927 zum Maibaumaufstellen in Rottenbuch. Auswärtige Konzerte waren unter anderem in Uffing und Lechbruck. Als Bezahlung gab es Bier und eine Brotzeit. Die Anreise erfolgte jeweils mit dem Fahrrad. Bereits im November 1928 kam es zur Auflösung der Kapelle Witt wegen schwerer Streitigkeiten, besonders ging es da um die Abzahlung der gekauften Instrumente. Als letztes spielten sie noch gemeinsam den Marsch "Vereinsschwur", dann zerbrach Lehrer Witt vor den Augen des Publikums seinen Taktstock.
Der neue Dirigent, Hans Fichtl von der Post in Rottenbuch, versuchte nun mit etwa 12 Musikern, die örtlichen Veranstaltungen musikalisch zu gestalten. Das gelang ihm sehr gut, denn es waren gute Musiker, die ihn dabei unterstützten. Während der Hitlerzeit wurde die Kapelle zu Aufmärschen und sog. Flaggenparaden verpflichtet.
Der bisherige Bürgermeister Karl Berger mußte auf Anordnung der Kreisleitung sein Amt zu Verfügung stellen, als Grund wurde das Alter (73 Jahre) genannt. So kam es, daß 1937 wieder ein Musikmeister zum Bürgermeister gewählt wurde. Hans Fichtl, Posthalter von Rottenbuch. Musik und Gemeinde leitete er bis zu seinem Einrücken im Jahre 1943. Er ist leider nicht mehr aus dem Krieg zurückgekehrt.
1931 erhielt Rottenbuch den berühmten Pfarrer Andreas Schmidhuber, einen sehr barocken und musikalischen Geistlichen, der oft auf dem Kirchenchor dirigierte, wenn gerade ein Aushilfspfarrer den Messdienst verrichten konnte. 1937 wollten die Musiker wieder das sog. Neujahranblasen beginnen. Angefangen wurde beim Bräuhaus, jetzt Heim Maria Auxilium. Nach 5 Häusern kam der Pfarrhof an die Reihe. Nachdem die Musiker einen Marsch gespielt hatten, erschien Pfarrer Schmidhuber an der Haustüre mit den Worten: Was wollt´s denn bei mir, i hob euch it gschrien, kennts scho wieder geh.“
Damit war das Neujahranblasen beendet und wurde erst nach dem 2. Weltkrieg wieder angefangen.
Der 2. Weltkrieg forderte wieder große Opfer unter den Rottenbucher Soldaten. Über 40 mal mussten die Musiker zur letzten Ehre spielen. Nachdem der Bürgermeister und Dirigent Hans Fichtl 1943 einrücken musste, übernahm Fridolin Angerer das Amt des Musikmeisters. Anfang Mai 1945 rückten die amerikanischen Soldaten in Rottenbuch ein. Ein Teil der Instrumente wurde zerstört oder entwendet. Das Vereinsleben begann sich nur langsam wieder zu regen, so, wie es die Militärregierung gestattete. Auch musikalisch sollte es wieder losgehen. Thomas Geiger vom Moos versuchte mit Energie etwas zu organisieren. Er schaffte es, 9 Mann dafür zu begeistern und mit dem Proben wieder zu beginnen. Die Instrumente wurden in der Werkstätte Schöpf in München hergerichtet, die Bezahlung erfolgte in Naturalien, hauptsächlich Fleisch und Butter. Der jetzige Ehrendirigent, Karl Echtler, transportierte die Lebensmittel nach München. Das war gar nicht ungefährlich, denn an den Bahnhöfen wurden viele Kontrollen wegen der Schwarzhändler abgehalten.
Die Musiker der ersten Stunde waren: Thomas Geiger, Georg Strobl, Jakob Demmel, Alex Uhl, Gabriel Heiland, Erich Eiler, Erich Streif, Michael Noll und Karl Echtler. Im Herbst 1946 begannen die Proben beim Schmidenbauer in der Stube. Der gestrenge Lehrmeister war der ehemalige Militärmusiker Josef Eisenschmid aus Peißenberg. Er erhielt bald den Namen „Butterschmid", denn die Schüler mußten zur Probe ein viertel Pfund Butter mitbringen. Ein Jahr später konnte die Kapelle bereits zur Hochzeit von Thomas Geiger aufspielen. Die wenigen Stücke, die man bis dahin erlernt hatte, wurden eben immer wiederholt.
Als Glücksfall für den weiteren Aufbau der Musikkapelle erwies sich der Zuzug von Rudolf Ludwig im Jahr 1947. Ludwig war Berufsmusiker und ein ganz ausgezeichneter Flügelhornist. Er kam aus dem Sudetenland und hatte die musikalische Ausbildung beim damaligen Reichsarbeitsdienst erhalten. Fridolin Angerer überlies Herrn Ludwig weitgehend die Proben und bald auch die Leitung der Kapelle. Die Auswahl der Musikstücke, Märsche, Walzer, Polkas und viele Konzertstücke beruhte auf der langjährigen Erfahrung von Dirigent Ludwig.
Die 15 - 18 Mann starke Kapelle hatte sich schnell einen guten Ruf erspielt, und beim Musikfest in Peiting 1960 erzielte die Kapelle Ludwig, wie sie häufig bezeichnet wurde, bereits einen 1. Rang mit Auszeichnung.
Aus Aufzeichnungen aus dieser Zeit ist zu lesen: Die Proben wurden im Gasthaus zum Koch in der Wirtsstube abgehalten und dauerten oft bis in die frühen Morgenstunden. Am trinkfreudigsten erwiesen sich besonders die Posaunisten, Bässe und die große Trommel. Die Trompeten, Flügelhornisten sowie Alt- und Tenorhörner kamen dabei öfters zu kurz.“
Ludwig versäumte es allerdings, Nachwuchs auszubilden und so kam es während einer Probe zum Krach und die Musik hörte einfach auf. Das war 1970 im Frühjahr. Der Gemeinderat mußte sich mit der Sache befassen und im Beschlußbuch vom 18.3.1970 steht folgendes: Blaskapelle Rottenbuch.: Nachdem unsere Blaskapelle ihre Tätigkeit eingestellt hat und ein Einigungsversuch gescheitert ist, versucht der Gemeinderat einen geeigneten Musiker aus der Nachbarschaft zu gewinnen, der die Leitung der Blaskapelle übernehmen würde und auch gewillt ist, Nachwuchs auszubilden. Es hat sich bereits ein Herr Gottfried Lang aus Peißenberg beworben, aber zur Bedingung gemacht, daß er als Angestellter bei der Gemeinde Rottenbuch beschäftigt ist. Diese Forderung kann nicht erfüllt werden, weil bei der Gemeinde keine Beschäftigungsmöglichkeit besteht. Der Gemeinderat beschließt, Herrn Lang nochmals die Musikstelle anzubieten, wenn er auf eine Anstellung verzichtet. Außerdem soll weiterhin nach einem anderen geeigneten Mann Ausschau gehalten werden.“
Die Auswirkungen, wenn ein Dorf ohne Musikkapelle ist, zeigten sich sehr bald: zu den Beerdigungen mußten Musiker aus Böbing oder Schönberg geholt werden. Die Vereine mußten bei Festzügen ohne Musik mitmarschieren, bei der Fronleichnamsprozession war nur mehr Gebet und Gesang zu hören. Alles war nicht mehr so feierlich wie sonst. Den Rottenbuchern wurde aber auch bewußt, daß das Bestehen einer Kapelle keineswegs so selbstverständlich ist, wie man bisher immer angenommen hatte. Und es entstand ein neues Bewusstsein darüber, wie wichtig eine Kapelle für ein Dorf ist.
Bei der Geistlichkeit folgte ein Wechsel: Pfarrer Forstmeier ging nach 19 Jahren wieder nach Oberammergau und bei uns wurde im Herbst 1970 Pfarrer Walter Kronast installiert. Sollte zu dieser Feier keine Musik spielen? Karl Echtler brachte die Musiker mit viel Überredungskunst nochmals soweit, "die Ehre Gottes" und 2 Prozessionsmärsche zu spielen. Dann war wieder Feierabend mit der Musik.
Weitere Kandidaten meldeten sich bei der Gemeinde, unter anderem Musikmeister Baarfüser aus Peißenberg. Dieser fing dann mit 22 jungen Schülern im Turnsaal der Schule zu üben an, nachdem die Gemeinde auch Instrumente erworben hatte. In einem weiteren Gemeinderatsbeschluß vom 18.09.1972 heißt es: „Herr Karl Echtler wird ersucht, die Proben mit den jungen und ehemaligen Musikern zu übernehmen.“
Das war dann der Beginn der Tätigkeit von Karl Echtler, die über 20 erfolgreiche Jahre dauern sollte.
Karl Echtler hatte bei der Kapelle Tenorhorn oder Bariton gespielt. Nun als Dirigent war es eine ganz neue Aufgabe und Herausforderung für ihn. Einige Kollegen aus der ehemaligen Kapelle Ludwig verstärkten zunächst das sehr junge Orchester, etliche waren die Väter der jungen Musiker.
Schon bald konnten wir wieder alle Feste in und um Rottenbuch selbst musikalisch umrahmen. Von Faschingsbällen und Festzügen des Trachtenvereins über Heimatabende und Standkonzerte bis hin zu Hochzeiten und Beerdigungen reicht unser Einsatzgebiet. Auch Ständchen zu Geburts- und Hochzeitstagen gehören dazu. Besonders hervorzuheben sind die jährlichen Gartenfeste Anfang August, der Leonhardiritt und der Veteranenjahrtag im November und das Weihnachtskonzert am 2. Weihnachtsfeiertag. Den feuchtfröhlichen Jahresabschluss bildet das Neujahranblasen, bei dem die Kapelle mehrere Tage lang in Gruppen von Haus zu Haus geht und der Bevölkerung von Rottenbuch mit einem Marsch „Ein gutes neues Jahr“ wünscht.
In der Jahreshauptversammlung am 8. Januar 1981 wurde einstimmig beschlossen, dem Musikbund von Ober- und Niederbayern beizutreten. Am Musikfest und dem dazu gehörigen Wertungsspiel hatten wir bereits ein Jahr zuvor in Peiting teilgenommen. Wir erreichten dort auf Anhieb in der Mittelstufe einen ersten Rang mit Belobigung. 1983 in Böbing reichte es dann zum ersten mal sogar zu einem ersten Rang mit Auszeichnung, die Freude darüber war natürlich riesengroß! Im gleichen Jahr hatten auch die ersten Jungmusiker das Leistungsabzeichen in Bronze abgelegt.
Am 18. März 1984 wurde unser Dirigent, Karl Echtler, zum Bürgermeister von Rottenbuch gewählt. Anscheinend muss es in Rottenbuch so sein, dass der Dirigent auch Bürgermeister ist. Im selben Jahr wurde uns die „Pro-Musika-Plakette“ für über 120-jährigen unermüdlichen Einsatz für die Belange der Musik überreicht. Das ist die höchste, deutsche Auszeichnung, die an Laienspielgruppen vergeben wird.
Im September 1984 bewirteten wir zum ersten mal zusammen mit dem Trachtenverein den Rottenbucher Fohlenmarkt, den größten Kaltblutfohlenmarkt Deutschlands. Zu diesem Zweck werden Würstchenbuden und ein Bierzelt aufgestellt, damit die zahlreichen Besucher weder Hunger noch Durst leiden müssen. Nach der Versteigerung spielt die Kapelle dann noch im Zelt zur Unterhaltung auf. Die Bewirtung des Fohlenmarktes ist inzwischen zu einer Institution geworden, die aus dem Jahresablauf nicht mehr wegzudenken ist.
Am 2.Weihnachts-Feiertag 1992 feierte die Musikkapelle ihr 130-jähriges Bestehen mit einem Weihnachtkonzert im Fohlenhofsaal. Der bis auf den letzten Platz besetzte Saal bot einen schönen Rahmen für die feierliche Taktstock-Übergabe von Karl Echtler an seinen jungen Nachfolger Thomas Eiler. 1. Vorstand Christof Echtler würdigte die großen Verdienste seines Vaters und ernannte ihn zum Ehrendirigenten, Hans Fickler überreicht ihm im Namen des Musikbezirks Oberland die silberne Verdienstnadel für 22-jährige Dirigenten-Tätigkeit.
Die Musikkapelle ging immer schon gerne auf Reisen. Die Kapelle Ludwig hatte gern Kirchheim am Neckar als Ziel und wenn man ehemalige Musiker über die damaligen Ausflüge befragt, bekommen sie heute noch ganz leuchtende Augen und ein verschmitztes Lächeln huscht über ihr Gesicht. Dann hört man nette Anekdoten, wie z. B. es standen nicht genug Betten für alle Musiker zur Verfügung. Das war aber überhaupt kein Problem, denn die neun Musiker haben von den fünf Betten nur zwei benutzt. Oder zwei Musiker haben ihre Vorliebe für Schnaps entdeckt. Der eine sagte: „Mir macht er nichts“ und der andere stellte fest: „und I mog´n gern“. Beide hatten aber Räusche, die sich „Sie“ schrieben. Und dann war da auch noch der Posaunist, der beim großen Festzug aus unerklärlichen Gründen nach rechts in den Straßengraben geriet und dort einfach weiter marschierte. Auf der Heimfahrt fragte er dann einen Kollegen: “Du, was war das eigentlich für ein Fest?“ (Auflösung: Jubiläum des Akkordeonvereins Kirchheim).
Auch in den Siebzigern und Anfang der Achtziger Jahre besuchte die Kapelle etliche Orte in Deutschland, wie Stimpfach, Memmelsdorf oder Gosheim. Das sollte sich aber bald ändern, denn im Sommer 1982 war zum ersten mal das Blue Lake Fine Arts Camp zu Gast in Rottenbuch. Das Blue Lake Camp ist eine amerikanische Organisation, die sich zur Aufgabe gemacht hat, die Schönen Künste zu pflegen. Dazu zählt neben Malerei und dem Theater natürlich die Musik in all ihrer Vielfalt. Das Camp hat die Ammermühle in Rottenbuch als Unterkunft ausgewählt, um mit ca. 100 jungen Musikern und Sängern aus aller Herren Länder für die bevorstehende Europatournee zu üben. Den Abschluss der Probenarbeit bildete dann ein gemeinsames Konzert von Blue Lake und unserer Musikkapelle, bei dem zunächst jeder seine geprobten Stücke vortrug, aber schon bald lösten sich die Formationen auf, und es wurde ein großes, gemeinsames Musizieren zur Freude aller Beteiligten und Zuhörer. Dieses gemeinsame Konzert wiederholte sich dann jedes Jahr, wir haben richtige Freundschaften zu den Musikern aus aller Welt und vor allem zu den Lehrern aus USA geschlossen, und so wurden wir bald zu einem Gegenbesuch nach Amerika eingeladen, den wir gerne annahmen.
Am 12. September 1985 war es soweit, 21 Musiker und 14 Begleiter(innen) starteten zum größten Abenteuer unserer Kapelle. Mit dem Flugzeug ging es zunächst nach Amsterdam und von dort aus über den großen Teich nach Chicago. Alle waren sehr gespannt, was uns dort wohl erwarten würde.
Unsere erste Sorge war, wie kommt man mit jeder Menge riesiger Instrumentenkoffer und Notenkisten durch den amerikanischen Zoll? Die Lösung war ganz einfach. Die meisten Musiker reisten in der Tracht und dem Chef am Zoll, einem Schwarzen mit fürchterlichem Südstaaten-Dialekt, war es nur wichtig, uns zu erzählen, dass er schon mal in München auf dem Oktoberfest war und seitdem auch eine Lederhose besitzt. Dann öffnete er ein großes Tor und wir waren eingereist.
Im Grayhound-Bus ging es dann zum Blue Lake Camp, unserem ersten Nachtquartier. Auf dem Weg dorthin machten wir unsere nächste amerikanische Erfahrung, ein Schnellfress-Laden namens Wendy´s. An der Selbstbedienungs-Theke begann bei jeder Bestellung ein schier endloses Frage und Antwort Spiel über die Art und Größe der Semmel, den Belag bis hin zur Soße und der Größe des Salatblattes. Erschwert wurde das ganze noch dadurch, dass die Diskussionen in einer Sprache geführt werden mussten, die mit Englisch fast nichts zu tun hatte. Manche machten es sich leicht und deuteten nur: „das gleiche wie der vor mir.“ Und zum Trinken gab es einen großen Becher mit Eiswürfeln und etwas Cola drüber. Wir haben dann versucht, das Cola ohne Eis zu bekommen, aber dafür wollten die dann gleich mehr Geld, denn Cola ist teurer als Eis.
Das Blue Lake Camp selbst erwies sich als eine riesige Ansammlung von weit verstreuten, einfachen Hütten zum Schlafen und Üben und einigen großen Gebäuden für Konzerte und Theateraufführungen. Alles zusammen wunderschön am Little Blue Lake gelegen. Zu unserer großen Überraschung wartete im Camp ein Bieranhänger auf uns, weil sich rumgesprochen hatte, dass Bayern gerne viel Bier trinken. Die Freude war riesengroß, als man uns erklärte, dass das Bier von der Familie Greisinger, den damaligen Chefs der Ammermühle, gestiftet worden war.
Die Zeit in Amerika verging wie im Fluge, wir hatten eine Reihe von Auftritten in den verschiedensten Orten von Michigan. Egal, wo wir hinkamen, es war immer ein Hallo und wir wurden überall mit viel Herzlichkeit aufgenommen. Wir haben noch viel Amerika erlebt, sei es nun Lachse Fischen im Grand River, Baden im Lake Michigan, ein Erntedank-Fest mit amerikanischem Festzug oder Frankenmouth, ein Dorf mit Fachwerkhäusern und Blumenkäsen vor den Fenstern. Die Clown-Band ist eine Blaskapelle, die bei ihren Auftritten immer genau so maskiert herumläuft, wie wir sonst nur am Faschings-Dienstag, und genau so verrückt ist ihre Musik.
Schon auf der Heimreise war klar, dass dies nicht unsere letzte Amerika-Reise gewesen ist. Mittlerweile haben wir den mittleren Westen der USA schon vier mal besucht. Jedes mal haben wir wieder alte Freundschaften aufgefrischt und viele neue geschlossen. Und natürlich haben wir viel erlebt. Wir haben Großstädte wie Chicago und Detroit besucht, Nobel-Orte wie Harbour Springs oder die weiten Wälder hinauf nach Copper Harbor. Wir machten Einsteigerkurse im Wasserski-Fahren und Golfen oder bestaunten die Niagarafälle. Wir hinterließen unsere Spuren in riesigen Sand-Dühnen und wir lernten eine neue Art geselliges Beisammensein.
Wir haben uns auch schon zweimal auf Tonträgern verewigt. Die erste Aufnahme wurde 1991 im Fohlenhof-Saal gemacht, die zweite dann 1998 wesentlich professioneller im Studio 80 in Bad Wörishofen, dem Studio,in dem auch Ernst Mosch zahlreiche Aufnahmen eingespielt hatte.
Der bayrische Rundfunk überträgt am 11. Juli 1993 live die Sendung „Grüße aus Rottenbuch“, Moderator ist Franz Messner, der während der Sendung den Hörern unseren Dirigenten, Thomas Eiler, beschreibt wie „einen, der ausschaut, wie eine Mischung aus Heiligem Petrus und einem Wilderer.“
Hohen Besuch bekam Rottenbuch 1993 von der Norwegischen Königin Sonja, die auf einer Rundreise durch das Alpenvorland war und sich auch die Rottenbucher Kirche nicht entgehen lassen wollte. Zusammen mit Bürgermeister Karl Echtler und Pfarrer Walter Kronast haben wir die sympathische Monarchin musikalisch empfangen.
Ein großer Festtag war für die Musikkapelle der 31. Mai 1994. An diesem Tag konnten wir nach einer Bauzeit von neun Monaten in unseren eigenen Proberaum einziehen. Mit großzügiger Unterstützung der Gemeinde und sehr viel Eigenleistung haben wir das Dach des Feuerwehrhauses zu einem richtig schönen Musikraum ausgebaut. Endlich haben wir einen eigenen Raum, der nur von uns genutzt wird. Zuvor haben wir immer in der Campingplatz-Gaststätte am Richterbichl, im Turnsaal der Schule oder noch davor im Gasthaus Koch unsere Proben abgehalten.
Zur Zeit besteht unsere Kapelle aus 44 aktiven Musikerinnen und Musikern. 9 Jugendliche sind zur Zeit in Ausbildung und werden nach Ablegen des bronzenen Leistungs-Abzeichen bei der Musikkapelle mitwirken. Der Musikunterricht wird hauptsächlich von zwei ausgebildeten Musiklehrern durchgeführt. Zum einen bildet Wolfgang Gräber die Blechbläser, wie Trompete, Tenorhorn und Tuba aus und begleitet sie bis zum Musiker-Leistungsabzeichen. Zum anderen unterrichtet Heidi Wörle die Holzbläser, wie Klarinette und Querflöte. Heidi Wörle dirigiert darüber hinaus auch noch das Jugendorchester und bringt so unserem Nachwuchs das nötige Gespür für ein harmonisches Zusammenspiel bei. Ihre Arbeit hat schon Früchte getragen, denn das Jugendorchester erreichte beim Musikfest 2001 in Huglfing in der Konzertwertung Anfängerstufe einen ausgezeichneten Erfolg.
Mindestens einmal wöchentlich wird für alle eine Probe im Musikraum abgehalten und pro Jahr hat die Musikkapelle ca. 50 Auftritte. Darüber hinaus sind die Musiker auch noch in einer Reihe von verschiedenen kleineren Gruppierungen zu hören, so z.B. als Roattabuachar Bauramusi, sehr beliebt bei Hochzeiten und Tanzveranstaltungen, oder als Kirchenbläser zu hohen kirchlichen Feiertagen, meist in Zusammenspiel mit dem Kirchenchor, der Orgel und den Streichern. Die Tanzlmusi und die Weisenbläser sind auf Volkstänzen und Volksmusik-Hoagart gern gehörte Musikgruppen, oder sie blasen der Regierung von Oberbayern den Marsch.
Keine Ergebnisse in dieser Ansicht.
